Hand hoch, wer hat in seinem Leben noch keinen einzigen Stummfilm gesehen? Ja, genau, bis vor wenigen Tagen wäre meine rechte Hand auch in der Luft gewesen. Ein rießiger Fehler. Bei Stummfilmen glaubt man immer, dass sie einen nicht so gut unterhalten könnten, als die Variante mit Ton, oder dass sie einfach überholt wären. Diesen Vergleich kann man aber ganz wie bei Äpfeln und Birnen so nicht ansetzten, weswegen bestmöglichst alle Zweifel abgelegt werden sollten:
“The Artist” von Michel Hazanavicius ist für 10 Oscars nominiert – zu Recht! Dieser französische Stummfilm über das Ende des Stummfilms ist von vorne bis hinten ein Traum. Eine intelligente, mitreißende Story in eleganter Schwarz-Weiß-Optik mit grandioser Kameraführung und unglaublich authentischen Hauptdarstellern sorgt die vollen 100 Minuten für beste Kinounterhaltung. Den Ton vermisst hier wirklich keiner.
Jean Dujardin verkörpert den Stummfilmhelden George Valentin so glaubwürdig, dass man fast vergisst, dass alles nur ein Film ist. Die wirklich clevere Story um einen Stummfilm-Star, der mit dem Stummfilm einher untergeht, ist wirklich interessant, trägt selbstreflexive Züge in sich, die sehr gut unterhalten und strotzt nur vor sehr guten Gags, die immer wieder in klassischer Stummfilm-Manier zum Lachen bringen. Es stört auch nicht, dass Dialoge immer wieder mitgelesen werden müssen. Ganz im Gegenteil.
“The Artist” ist ein brillianter Film, der mehr als sehenswert ist. Alles ist stimmig und nicht mal kleinere Mängel, egal ob an der Story oder am Technischen, waren auszumachen. Großartig, toll, einfach oscarreif auf ganzer Linie! Chapeau!

