Ich mag alles an diesem Album. Es beginnt wie mit einer Liveaufnahme, man hört erst Gemurmel als eine Art Intro und dann beginnt durch einen Übergang das erste Lied. Dem Album liegt enttäuschenderweise kein booklet bei. Hätt ich mich doch sehr gefreut über ein bisschen mehr artwork im Stile des Covers mit den angespannten Frauenbeinen, die kraftvoll in trübes, türkises Wasser eintauchen. Außerdem wäre ein vorliegender Text zum Gesang von Jenn Wasner oftmals unglaublich hilfreich. Damit mich niemand falsch versteht: ich liebe genau diese Art, dieses Verschwommene, Unklare des Gesangs, all die Worte, die man nicht versteht, weil sie zu leise gemurmelt oder vernuschelt oder von der Musik übertont sind. Natürlich diese Unverständlichkeit ist nicht für jeden was, aber wenn man sich trotzdem auf die Musik einlässt, versteht man vieles an der Musik, das abseits des Textes passiert. Gemeint ist eine Schönheit der Freude am Leben und an der Musik, an dieser Musik, die ich verspüre und sicherlich auch Jenn, denn das spürt man auch. Irgendwo, irgendwann hat sie mal erwähnt, dass ihre Lieder für sie eine Art Mantra sind, die sie sich jeden Tag vorspielt, um sich immer zu erinnern wer sie ist.
Aber natürlich hab ich es ohne lyrics auf Dauer nicht ausgehalten und fragte per E-Mail nach und bekam irgendwann Antwort. Halb um den Verstand gehört sah ich dann endlich die Zeilen vor mir. Zu behaupten ich hätte die lyrics nicht gebraucht wär gelogen, doch im Grunde sagten sie mir das, was ich bereits schon unterbewusst durch intesives Hören wusste. Ich brauchte nur noch die Bestätigung, die die unerträgliche Unruhe in mir auflöste, die von der Unsicherheit herrührte.
Was mir immer noch etwas rätselhaft erscheint, ist die Tatsache des Albumtitels. Gewählt wurde der Titel des Liedes Civilian, das vor den anderen hervor sticht und auch über den anderen Songs steht. Weniger gemeint als Überschrift, zusammenfassend, alles beschreibend, sondern andersartig und singulär. Es ist das einprägsamste Lied, das Klarste, so hat man den Eindruck und es erzählt komplett ehrlich von der Verletzbarkeit und Einsamkeit nach einer scheinbar perfekten Beziehung, die nicht funktioniert hat und deshalb emotional unheimlich packend ist. Aber es ist meiner Meinung nach nicht dieser eine Titel, der das Album perfekt beschreibt, aber vielleicht hab ich da auch was vollkommen falsch verstanden ;).
Klar Wye Oak ist ein Duo, wobei Andy live oft simultan zwei Instrumente spielen muss und Jenn sowieso immer während des Gitarrenspiels singt, damit die beiden auch live ihre großartigen Klanglandschaften aufbauen können. Aber wann immer ich mir Liveaufnahmen ansehe sticht Jenn mehr hervor, wenn sie überhaupt zu zweit zu sehen sind. Es ist ihre Art zu singen, den Mund zu öffnen, der mich einnimmt, genauso der Ausdruck in ihrem Gesicht, durch den sie meilenweit entfernt zu sein scheint. Wenn sie singt hab ich das Gefühl zu wissen wer sie ist und das liegt dann eben nicht nur an den Songtexten. Sie steckt zu hundertprozent in ihren Liedern und ihre Lieder stecken in ihr und diese Vereinigung ist so wunderbar mitanzusehen.
